Willingen – Mein Angstrennen

31. Mai 2017

Dieses Jahr hatte ich mich dazu entschlossen, beim Bike-Festival in Willingen zu starten. Kurzstrecke: 52,68 km – 1422 Höhenmeter.

Je näher der Tag kam, desto banger wurde mir allerdings, da ich vorab schon so einiges zu hören bekam!

„Willingen ist schon ´ne harte Nummer“
„Die Berge sind ganz schön lang, die musst Du Dir echt gut einteilen“
„Übertreib es nicht am Anfang“
„Vorsicht bei den Trails, da gibt es viele Stürze“
„Achte auf rumliegende Trinkflaschen“
„Pass hier auf…, pass da auf…, pass dort auf… und und und…“

Dann noch der Dauerregen….
Oh je, was habe ich mir nur dabei gedacht? Hoffentlich geht das gut.
Am Tag des Rennens dann endlich der erhoffte blaue Himmel und somit trocken von oben! Das ist doch mal was.

Auf zum Festivalgelände!

Um kurz vor halb acht haben Anja, Tobi und Mike ihre Plätze in der Startaufstellung eingenommen, während ich selbst noch eine halbe Stunde Zeit bis zum Start hatte. Da wir ziemlich spät dran waren, ging es für die drei auch direkt los. Viel Glück und Kette rechts!

In der Zeit machte ich mich auf zu Block C und trotz der ganzen vorherigen Aufregung, kam so langsam etwas Ruhe über mich. Jetzt hieß es warten, bis es losgeht.

Und endlich war der Moment da! Der Startschuss fiel und nach und nach kam Bewegung in die Masse.

Nach kurzer Ortsdurchfahrt ging es auch direkt zu den ersten 350 Höhenmetern. Hier konnte ich bereits einige Plätze gut machen.
Mit meinem Start war ich schon mal zufrieden.
Dann kamen leider die schwierigen Phasen. Vermatschte, rutschige Wege und Trails. Keine Möglichkeiten zum Überholen. Schlammschlacht pur. Die ersten Stürze, Schiebepassagen. Volles Programm! Und schließlich mein eigener Sturz, da ich mit dem Hinterrad auf einer Grasnabe ausgerutscht bin. Nix passiert… Aufstehen… Weiterfahren… Verdammt, wieso geht das nicht? Oh nein! Kettenklemmer!! Ich könnt kotzen!!! 

Während alle Teilnehmer, die ich bereits überholt hatte, einer nach dem anderen, wieder an mir vorbeifuhren, quälte ich mich mit meiner Kette ab. Sie war so verkeilt, ich konnte sie einfach nicht lösen. Mir kam schon die Befürchtung, dass das Rennen für mich vorbei ist, als sich endlich etwas bewegte. Mit einem letzten Anfall von Wut, konnte ich die Kette befreien und alles wieder an Ort und Stelle platzieren.

ENDLICH ging es weiter. Stück für Stück erkämpfte ich mir einen Teil meiner verlorengegangenen Plätze zurück. Zwischenzeitlich ein kurzer Blick auf´s Tacho. Fahrzeit: 1:12 h, Strecke: 16 km.

Waaaas??? Oh man… Ich dachte, ich hätte längst die ersten 20 km hinter mich gebracht! Wie lange soll das Rennen denn dauern??
Egal! Das wird schon. Noch geht’s mir gut, noch läuft es.
Also weiterkämpfen, weiterstrampeln… Auch 52 km sind irgendwann vorbei. Nach ca. 25 Kilometer kamen einige besser zu befahrende Abschnitte und die Kilometer spulten sich, im Gegensatz zu vorher, regelrecht ab. Es lief beinah einwandfrei. Beinah! Wegen meiner verdreckten Reifen, legte ich fast noch einen Sturz auf einem Asphaltstück hin. Viel zu schnell kam ich in die Kurve und das Hinterrad ist weggerutscht. Hab´s mit Ach und Krach noch hingekriegt. Puh, Glück gehabt! Mit klopfendem Herzen ging es weiter…

Die letzten Höhenmeter standen an. Kraftreserven waren noch vorhanden, daher konnte ich diese gut bewältigen.
Das Ziel war zwar noch nicht zu sehen, aber schon zu hören.
Dies gab mir noch mal Schwung für die letzten Trails.
Und dann war sie endlich zu sehen: die Zielgerade! Stolz wie Oskar und froh heile angekommen zu sein, fuhr ich durch den Zielbogen.

Anja, Tobi und Mike warteten bereits auf mich. Alle wohlbehalten angekommen. Sehr beruhigend.

Mit meiner Zeit von 3:30:02 habe ich es auf Platz 19 Gesamt von 96 Damen geschafft und in meiner Altersklasse Platz 12. Ich bin absolut zufrieden.

Und was soll ich sagen? War doch gar nicht so schlimm!

Willingen war geschafft, Willingen war GEROCKT!

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